MOBBING
BULLYING; WHISTLEBLOWING
Die Mobbingforschung:
Notwendigkeit einer seriösen Kritik
© Heinz Leymann - 11451d
Sprachkontrolle: Horst Kasper
Das Mobbingkonzept ist ein junges Konzept. Es ist ein Konzept, das sich über eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Spezialitäten erstreckt: Psychologie, Soziologie, Psychiatrie, Juridik, Politische Wissenschaft, Sozialpsychologie, Betriebswirtschaft usw. Die weitaus meiste Forschung wurde bisher hauptsächlich von Psychologen durchgeführt. Weniger Arbeiten kommen aus der medizinischen Wissenschaft, z. B. der Psychiatrie. Forscher aus anderen Wissenschaftzweigen haben bisher eher selten Beiträge geleistet, obwohl sich diese Situation schon sehr geändert hat. Somit sind erste Beiträge aus der Arbeitsjuridik, der Soziologie und der Betriebswirtschaftslehre vorhanden.
Es entstehen immer Probleme für eine Forschung, wenn sie ihr eingegrenztes Feld verläßt und grenzüberschreitend arbeiten will. Man stößt sich dann leicht an erstarrte universitäre Formen veralteter Sparteneinteilungen. Ideale Zustände würden erst entstehen, wenn viele Forscher der verschiedensten Spezialitäten unter gemeinsamer Leitung sich gegenseitig theoretisch und empirisch befruchten könnten. Ein Grund für die Ursache dieser Befruchtung ist die Tatsache, dass in den verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten Theorien und Theoreme entstanden sind, die die Welt aus den verschiedensten Sichtweisen her interpretieren. In einer engen Kooperation befruchtet man sein Denken gegenseitig, was sich sofort in wissenschaftlicher Kreativität ausdrückt. Allerdings sollte man sich bewußt daran erinnern, dass es auf Grund der überlieferten Denkweisen in den verschiedenen Fakultäten genug Machtstrukturen gibt, damit Errungenschaften in anderen Fakultäten als inadäquat abgetan werden können. Als Student oder Doktorand sollte man diese Begrenzungen seiner wissenschaftlichen Kreativität beachten, solange man in den Wissenschaften noch ãin der Lehre" ist. Ein Mobbing- und Ausstoßprozess könnte sonst leicht entstehen.
Eine wissenschaftlich ehrliche Kritik des Mobbingkonzeptes sollte zu kreativer Zusammenarbeit stimulieren. Kritik hat bisher davon gehandelt, seinen Mißmut darüber kundzutun, daß die Mobbingforschung sich nicht manierlich in altherkömmlichen Strukturen bewegt hat. Die Kritik, die ich mir statt dessen wünsche, sollte fachlich auf wissenschaftlich korrekte Weise die Methoden des wissenschaftlichen Vorgehens prüfen. Hier ist wirklich noch viel zu tun, sollte man sich die Mühe machen, die dazu nötigen Arbeitseinsätze zu leisten. Mein Beitrag war, dieses Phänomen erstmalig aufzuzeigen, zu konzipieren und einen wissenschaftlich ausgerichteten Zugang zu diesem Phänomen zu erarbeiten. Feinheiten einer statistischen Arbeitsweise kommen da zu Beginn immer erst einmal zu kurz. Allerdings ist die Forschung derzeitig so weit vorangetrieben, dass es sinnvoll geworden ist, sich um methodologische Verbesserungen zu bemühen. Dazu bedarf es stabiler, konstruktiver und gekonnter Kritik.
Eine der wichtigsten Kritiken, die vorgebracht werden sollten, muss jedoch auf die Durchführung von Maßnahmen abzielen, um vorzubeugen, abzustellen, wiederherzustellen und zu rehabilitieren. Mobbing ist ein Phänomen in allen menschlichen Gesellschaften. Humanistische Wissenschaften sind dazu da, die menschlichen Gesellschaften in humanistische Richtungen weiter entwickeln zu helfen. Für eine Kritik am Mobbingkonzept, die nur die Not von Mitmenschen ausnutzt, um egozentrisch ihre eigene Sichtweise hervorzukehren, habe ich kein Verständnis. Forschung und Theorienbildung sind nicht dazu da, damit Forscher sich gegenseitig akademische Truthahnkämpfe liefern können. Solche Kritikenergie sollte in den Dienst einer sich entwickelnden Humanität gestellt werden.