MOBBING-ENCYKLOPEDIA
BULLYING; WHISTLEBLOWING
Die gesellschaftlichen Voraussetzungen
zur Mobbingforschung am Arbeitsplatz
© Heinz Leymann - file 11213d
Sprachkontrolle: Agnes Ebeling
Das Mobbing-Konzept, so wie es aus der Forschung in Schweden - und später
auch aus der in Norwegen und Finnland - erwuchs, hat einen bestimmten gesellschaftlichen
Hintergrund, der einen Teil des wissenschaftlichen Ansatzes erklärt.
Es handelt sich hier eher um einen arbeitsmedizinischen Ansatz als um einen
arbeitspsychologischen. Um mit diesem Konzept umgehen zu können, ist
es erforderlich, etwas über die Einflüsse zu erfahren, die die
skandinavischen Ländern, u. a. Schweden, in den 70er und 80er Jahren
prägten.
Der Entdeckung und Erforschung des Phänomens Mobbing liegen sehr
spezifische Ursachen zugrunde. Zum einen waren es die politischen Beschlüsse
Mitte der 70er Jahre im schwedischen Reichstag, die den Weg für ganz
neue Forschungsansätze bahnten. Zum zweiten lagen für die Konzipierungen
innerhalb der psychosozialen Forschung Modelle einer weit fortgeschrittenen
skandinavischen und amerikanischen Arbeitsmedizin vor. Zum dritten wurde
damals in der schwedischen Gesellschaft eine Infrastruktur geschaffen,
die der Berücksichtigung arbeitsmedizinischer, -psychologischer und
-soziologischer Forschungsergebnisse diente und zu weitgehender Anwendung
in der Praxis führte. Im Grunde waren es somit politische Erwägungen,
die die Grundsteine legten für eine Entwicklung der betrieblichen
psychosozialen Fragestellungen in Forschung und Praxis.