MOBBING-ENCYKLOPEDIA
BULLYING; WHISTLEBLOWING
Theoretischer Hintergrund
der bisherigen Mobbingforschung
© Heinz Leymann - file 11210d
Sprachkontrolle: Agnes Ebeling
Dem Mobbing-Konzept liegen arbeitspsychologische und streßmedizinische
Theorien zugrunde. In den verschiedenen Phasen des Mobbingverlaufes werden
weitere Theorien aktualisiert. Ich betrachtet jedoch die erste Phase,
die Konflikten an Arbeitsplätzen gilt, als weitgehend schlecht erforscht.
Beispiele für fruchtbare neuere Ansätze, die sich bemerkbar gemacht
haben, haben durchweg Verbindungen mit der feministisch orientierten Organisationsforschung.
Beispiele aus den USA bietet die feministische sozialpsychologische
Forschung. Ein Beispiel aus Deutschland bieten Gust, Moitz und Peter
(1992).
In der zweiten Phase, dem eskalierten Konflikt mit zeitweise
rein kriminellen Einschlägen, ziehe ich Theorien der Sozialpsychologie
denen der Gruppendynamik und Persönlichkeit vor. Auch werden hier
eigene Theoreme vorgeschlagen (Leymann, 1993b). Theorien der Sozialpsychologie,
die sehr gute Erklärungen für gewisse Phasenabschnitte abgeben,
sind z. B. die der Stigmatisierung ( siehe: Jones et al., 1984),
des Copingverhaltens und der Copingresourcen. Auch psychologische
und biologische Theorien über Streß geben abschnittweise
gute Erklärungen ab.
In der dritten Phase bieten sich derzeitige Theorien über
Management sowie juristische Erklärungsansätze an.
Da es sich hier meistens um erstaunliche Machtübergriffe und Exposition
von Macht handelt, zeigt es sich, daß die Machttheorien der
politischen Wissenschaft sehr große Aussagekraft haben (Leymann,
1992b; oder Bachrach & Baratz, 1962; Gaventa, 1987; oder Lukes, 1974;
oder Parenti, 1970; sowie Petersson, 1987). Machttheoretische Konzepte,
die international hauptsächlich nur für die Erforschung von Entscheidungsverläufen
auf staatlicher und überstaatlicher Ebene angewandt werden, ergaben
fruchtbare Ansätze auf der Arbeitgeberebene. Dieses galt besonders
für Großbetriebe, hinsichtlich der Verhältnisse an kommunalen
Arbeitsplätzen (besonders wenn Politiker als Arbeitgeber auftreten)
und an Arbeitsplätzen ideeller Organisationen.
Für die vierte und fünfte Phase ist Wissen über
das Verhalten von Berufsausübern, die Anamnesen und Diagnosen erstellen,
von Gewicht. Dies gilt auch für bürokratisches Verhalten bei
Versicherungs- und Rententrägern. Eine Forschung in dieser Hinsicht
dürfte bisher kaum stattgefunden haben.
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